Frage 1: Schutzdauer
























Wieso wird die Schutzdauer des Lichtbildschutzes nur mit etwa "halb so lang wie der Werkschutz" angegeben, wo er doch bei Werken 70 Jahre und bei Lichtbildern 50 Jahre beträgt?
Antwort: Werke sind bis 70 Jahre nach dem Tod des Autoren geschützt, der         Lichtbildschutz dauert 50 Jahre ab der Herstellung. 

Beispiel für Werkschutz: Eine Fotografin hat 1960 als 40-jährige ein Bild fotografiert und ist im Jahr 2000 verstorben, der Werkschutz erlischt im Jahr 2070, die Fotografie war insgesamt während 110 Jahren geschützt.

Beispiel für Lichtbildschutz: Der Lichtbildschutz desselben Bildes ist im Jahr 2010 bereits erloschen (50 Jahre nach Entstehung), die gesamte Schutzdauer betrug nur 50 Jahre.
Antwort: Insgesamt 8 europäische Staaten kennen den Lichtbildschutz, es sind dies:

Deutschland
Österreich
Italien
Dänemark
Schweden
Norwegen
Estland
Tschechien

(Stand 2014 aufgrund einer Abklärung von Pro Litteris)
Gibt es neben Deutschland und Österreich noch andere Länder, die den Lichtbildschutz eingeführt haben?

Frage 2: Verbreitung Lichtbildschutz
Frage 3: Definition von Lichtbild
Ich habe immer gemeint, ein "Lichtbild" sei ein Dia, stimmt das nun nicht mehr?

Antwort: Der Begriff "Lichtbild" hat tatsächlich mehrere Bedeutungen: Wer noch weiss, was ein "Dia" oder "Diapositiv"  ist, hat hierfür umgangssprachlich auch den Begriff "Lichtbild" gebraucht, und kann das auch weiterhin tun.

Die juristischen Begriffe "Lichtbildwerk" und "einfaches Lichtbild" stammen aus Deutschland.

So sind Lichtbildwerke individuell gestaltete Fotografien, sie sind bis 70 Jahre nach dem Tod des Autoren geschützt.
Lichtiblder (auch einfache Lichtbilder genannt) sind alle anderen, von Menschen hergestellten Fotografien ohne individuellen Charakter, ihr Schutz erlischt 50 Jahre nach der ersten Publikation (oder Herstellung, falls nie publiziert).

Sie haben auch eine Frage? Stellen Sie sie uns. Wenn die Antwort von allgemeinem Interesse ist, wird sie hier publiziert.
Frage 4: Bildarchive
Antwort: Nein. Dies ist leider eine über die Medien verbreitete Falschmeldung der "Digitalen Allmend".

Gerade Bildarchive erhalten mit der Revision des Urheberrechts umfassendere Möglichkeiten, ihre Bestände im Internet ohne Erlaubnis und Entschädigung der Autoren aufzuschalten. Details hier, siehe Art. 24 e.


Könnten wegen des Lichtbildschutz Fotografien z.B. der online-Bilderbibliothek der ETH in Zukunft nicht mehr öffentlich zugänglich sein?
Frage 5: Urheberrechtsschutz auf der Fotografie oder dem fotografierten Objekt?
Antwort: Nein. Frau Sykora vom Verband Museen Schweiz hat hier leider eine Fehlinformation verbreitet. Gemeinfreie Objekte bleiben gemeinfrei, durch den Akt des Fotografierens wird das abgebildete Objekt nie geschützt, sondern nur die Fotografie.
In einer Sendung auf SRF2 war zu hören, dass ein nicht urheberrechtlich geschütztes Objekt durch den Akt des Fotografierens wieder urheberrechtlich geschützt würde, stimmt das?
Frage 6: Abmahnungen
Antwort: Dies ist aus folgendem Grund nicht zu befürchten: Im Gegensatz zu Deutschland kennt die Schweiz keine Gebührenordnung, mit der Anwälte ihre vorprozessualen Kosten in Rechnung stellen und durch exorbitante und kaum durchsetzbare Streitsummen ihren Obulus vergolden können.

Das Schweizer Rechtssystem wirkt also äusserst demotivierend für all jene Anwaltskanzleien, die bei Urheberrechtsverletzungen mit überrissenen Forderungen ein Geschäftsmodell etablieren möchten. Das Abmahnwesen wird in der Schweiz deshalb keinen solchen Wucher treiben können, wie in Deutschland.
 
Wird der Lichtbildschutz zu einer Abmahnwelle nach deutschem Vorbild führen?
Frage 7: Schutz von 1:1 Reproduktionen von Gemälden
Antwort: Nein, diese Aussage von Florian Schmidt-Gabain ist leider falsch. Fotografische Reproduktionen von Gemälden und anderen zweidimensionalen Vorlagen sollen durch den "Lichtbildschutz" explizit nicht geschützt werden, wie der vom Bundesrat vorgeschlagene Artikel festhält:

Art.2 Abs.3bis
3bis Fotografische Wiedergaben und mit  einem  der Fotografie ähnlichen
Verfahren hergestellte  Wiedergaben dreidimensionaler  Objekte gelten  als  Werke, auch  wenn sie keinen individuellen Charakter haben.
In einem Gastbeitrag der NZZ war zu lesen, dass durch den "Lichtbildschutz" fotografische Reproduktionen von Gemälden urheberrechtlich geschützt würden, stimmt das?
Frage 8: KMUs und Lichtbildschutz
In einem Gastbeitrag der NZZ war zu lesen, dass durch den "Lichtbildschutz" fotografische Reproduktionen von Gemälden urheberrechtlich geschützt würden, stimmt das?
Antwort: Nein, Art. 80 E-URG garantiert, dass Bilder, die sich zum Zeitpunkt der Einführung des Gesetzes bereits auf einer Homepage befinden, dort weiterhin rechtmässig bleiben dürfen. 

Werden jedoch nach Inkrafttreten des Gesetzes Fotografien auf diese Homepage geladen, müssen die Rechte auch künftig abgeklärt werden. Bisher war diese Abklärung nur bei „individuell gestalteten“ Fotografien vorgeschrieben.

Gerade KMUs werden aber ebenfalls vom Lichtbildschutz profitieren, weil so eine Konkurrenzfirma B nicht länger von der Firma A produzierte und bezahlte Fotografien (z.B. Produktbilder) abkupfern und auf ihre eigene Seite hochladen darf.
Müssen sich KMUs mit der Einführung des Lichtbildschutzes vor Abmahnungen fürchten, weil sie auf ihren Homepages Fotografien aufgeschaltet haben, die in Zukunft geschützt sein werden?
Frage 9: Neue und teure Tarife wegen Lichtbildschutz?
Führt der Lichtbildschutz zu "neuen und teuren Tarifen", wie der Dachverband der Urheber- und Nachbarrechtsnutzer (DUN) behauptet?
Antwort: Weder wird das geltende Tarifsystem verändert noch werden diese Tarife teurer.

Da schon heute die Fotografien in den Verteilungsregeln der Verwertungsgesellschaften enthalten sind, braucht es hier keine grundsätzliche Änderung. Die Vergütungen richten sich nach dem vom Nutzer erzielten Ertrag der Werke; da die meisten der nicht individuell gestalteten Fotografien jedoch gar nicht auf eine Vermarktung ausgerichtet sind, ist hier trotz der quantitativen Zunahme an geschützten Fotografien nicht mit einer substanziellen Veränderung zu rechnen.
Frage 10: Lichtbildschutz und Social Media
Stimmt der Vorwurf des Dachverbandes der Urheber- und Nachbarrechtsnutzer (DUN) wonach der Lichtbildschutz eine "Behinderung für Social Media-Plattformen" sei?
Antwort: Wer ein eigenes Bild auf eine Social Media-Plattform hochlädt, überträgt die Nutzungsrechte seiner Fotografien automatisch dem Betreiber, also z.B. Facebook oder Twitter.

Wer eine Fotografie eines Dritten, die auf einer solchen Plattform präsentiert wird,  für seine eigenen Zwecke nutzen will, muss nach Einführung des Lichtbildschutz -  wie bisher auch - abklären, ob und zu welchen Bedingungen er dies tun darf.

Wer also schon bisher illegal Bilder aus dem Internet genutzt hat, muss auch künftig damit rechnen, hierfür belangt zu werden. Wer vor einer Nutzung die Rechte abgeklärt hat, hat auch mit dem Lichtbildschutz nichts zu befürchten.

Was mit dem Lichtbildschutz ändert, ist die Gewissheit, dass künftig alle Fotografien geschützt sind; die Ausrede, es handle sich vermutlich um ein nicht individuell gestaltetes Bild, das in der Schweiz ungeschützt sei, wird nicht mehr zählen.